TRANSPARENZ

„Zwei Komponenten prägen das Oeuvre von Angelika Jelich, stiften Zusammenhänge und bilden Werkgrup­pen: die Natur in Gestalt floraler oder landschaftlicher Szenarien zum einen und die Kultur und Zivilisation, eingefangen in der Welt tradierter Zeichen und Orna-mente, urbaner Versatzstücke und ausschnitthaft ge-fasster Stadtansichten zum anderen.“
(Wolfgang Türk)

Frau Dr. Andrea Brockmann, Leiterin der Galerie Münster­land Emsdetten, schreibt zu den Arbeiten von Angelika Jelich anlässlich der Studioausstellung der Künstlerin im Museum Abtei Liesborn 2009:
„Der Schwerpunkt in den Arbeiten von Angelika Jelich liegt auf Acrylglasinstallationen, die durch die mehr-fachen Folienbeschichtungen in ihrer Transparenz immer durchwirkter werden und dennoch ihre Leichtigkeit behalten. Lichtes Farbenspiel wechselt mit konkretem Ab­bild, Fotos – verfremdet und collagiert – geben Hinweise auf das andere Zuhause New York, die Stadt, die Angelika Jelichs Arbeit stark beeinflusst hat. Die Gegenständlich­keit wird gebrochen durch die Schichtungen der Folien, die in den unterschiedlichen Farbschnipseln Einschübe, Überblendungen, Verschiebungen bedingen und so unsere Wahrnehmung irritieren.“

URBANE TRANSPARENZ

„Die Auseinandersetzung mit der Formensprache der Natur begleitet im Oeuvre von Angelika Jelich komple­mentär eine nüchtern attestierende Aufnahme urbaner Wirklichkeiten. Ihre Stadtimpressionen vermeiden jede farbliche Weichzeichnung, sondern zitieren vielmehr in ihrer Neonfarbigkeit die Lichtsprache der Metropolen. Es sind zumeist fotographische Aufnahmen von New York, die – auf Acrylglas gebannt – mit Folienstreifen hinter- und unterlegt werden.
Auch sie sind Erinnerungen an Geschautes, das sich in der künstlerischen Umsetzung aber nicht mit der bloßen Abschilderung begnügt. Nah- und Fernsicht, Panorama und Detail, in ein und demselben Bild zu­sammengefügt, verdichten sich zu einem persönlichen Psychogramm der Stadterfahrung.“
(Wolfgang Türk)

BLICK DURCH DIE FENSTER

Dr. Bennie Priddy, zur Ausstellung Transparenz – Transpa­rency von Angelika Jelich:
„Ausgangspunkt ist für Frau Jelichs Bilder die Weltstadt New York. Und zwar nicht die Stadt in der Lower East Side in einer verregneten Novembernacht, sondern Midtown, wenn die Sonne scheint. Fotos und Zeich­nungen auf und unter Folien, in und vor Plexiglaskäs­ten gehängt, erhöht durch die durchsichtigen Farben, machen die Wohnblöcke, die Wolkenkratzer und die Sehenswürdigkeiten transparent und nicht nur optisch sichtbar. Eine Reihe dieser Arbeiten trägt auch den Titel Window.
Wir schauen durch ein Fenster auf die Fenster eines gegenüberliegenden Gebäudes und sehen manchmal Menschen in diesem Gebäude und gleichzeitig die Verspiegelung unseres Fensters, unseres Standpunktes, in den Fenstern gegenüber. […]
Einige Windows werden derart abstrahiert, dass wir quasi lediglich die Jalousien in den sich verspiegelnden Fenstern, als Farbstreifen erkennen. Die Windows stei­gern nicht nur die ästhetische Wirkung der Transparen­cies, sondern kommentieren die urbane Situation. Sie machen deutlich, dass die Bilder kein Reiseflyer für New York sind, obwohl die Künstlerin, wie ich, diese pulsie­rende Stadt sehr gern hat. […]“

NATURTRANSPARENZ

„Die Verflüchtigung der Naturszenarien zu Licht- und Farbspielen findet ihre Steigerung im Wechsel des Bild­trägers. Die übereinander geschichteten Transparente in den Folienbildern evozieren durch ihre Staffelung eine Räumlichkeit, die dem Betrachter eine durchscheinende Tiefe zeigt.“
(Wolfgang Türk)
„Die durchlässigen Farben und Formen fangen den Be­trachter in ihren Oberflächen und tauchen ihn in Farb-und Lichtstimmungen.“
(Angelika Jelich)

SETZKÄSTEN DER ERINNERUNG

„Der Auflösung der Natur in der Abstraktion steht in den Arbeiten von Angelika Jelich ihre bewusste Stilisierung zu einfachen, stark konturierten, bisweilen fast naiv-kindlichen Formen gegenüber. Ihre Setzkästen der Erinnerung Memo­rial Summer fassen die floralen Momente in scharf ab-
gesetzten Umrisslinien und unterwerfen sie in der Anord­nung einer strengen Tektonik. Präpariert, aufgereiht und abrufbar geworden, harren sie eines erneuten Begegnens, um die in ihnen verborgenen, gehüteten Augenblicke der Vergangenheit noch einmal preiszugeben. Blume, Blatt, Meer, Sonne werden zu Sinnbildern, zu Symbolen eines glückvollen Erinnerns.“
(Wolfgang Türk)

KREISE

„In der Strukturierung der Bildfläche kommt dabei der Kreisform eine ganz besondere, sinnstiftende Bedeu­tung zu: Das geschlossene Weltbild, die Auflösung der Gegensätze im Widerspruchslosen, die Gleichsetzung von Anfang und Ende vermittelt sich in der Kreisform, die zentralistisch, einer überdimensionierten Sonne gleich, die Struktur und den Aufbau einiger Bilder be­stimmt, als Botschaft, als eine Art Glaubensbekenntnis an eine vielleicht nur in der Kunst realisierbare Harmo­nie. Die eingeschriebenen Texte sind dabei Reminiszen­zen an die glückvollen, wenn auch flüchtigen Momente dieser Erfahrungen, so sie nicht ganz im Reich der Träume verblieben sind.“
(Wolfgang Türk)

RITZBILDER

„In den Ritzbildern erfahre ich den Materialcharakter der Farbe. Ich verarbeite ihn bildnerisch, indem ich Farbschichten übereinander lege, in die ich abstrakte Zeichen, stilisierte Naturelemente und abstrakte grafi­sche Anordnungen einritze. Manche Farbschicht wird zugedeckt oder scheint durch. Tusche und Kreide setzen Akzente. Die Ritzbilder haben auch teilweise einen Patterncharakter und verweisen im Bildaufbau auf die Gobelin Paintings.“
(Angelika Jelich)

GOBELIN PAINTINGS

Die Gobelin Paintings sind eine Serie von großforma­tigen Arbeiten auf Leinwand, die locker an der Wand hängen und nicht straff auf Leisten gespannt sind. Paintings verweist auf das Malerische. Das Material ist Leinwand, auf der in Mischtechnik gearbeitet wird.
Von ganz abstrakt bis figürlich reduziert werden Flächen und Zeichen in bestimmten Anordnungen kombiniert.
Die Gruppe Gobelin Paintings: Signs of nature zeigt stili­sierte und abstrahierte Zeichen, die der Natur zuzuord­nen sind. Starke Farbigkeit prägt ihren Charakter.
Die Gobelin Paintings: Abstracts weisen eine starke Ausgewogenheit der Bildordnung und Farbharmonie auf. Die Gobelin Paintings: Pattern verbinden abstrakte und figürlich reduzierte Auseinandersetzung mit Farbe und zeigen in rhythmischer Ordnung stilisierte Zeichen.“
(Angelika Jelich)

FARBRÄUME UND PIGMENTBILDER

„In der Serie Farbräume erarbeite ich dialogisch den Bereich Farbwirkung und Räumlichkeit. Ich bearbeite die reine Farbe in ihrer Textur, ihrer Materialität, ihrer Raumtiefe und ihrer subjektiven Wirkung. Eigenstän-dige Strukturen bekommen selbständige Formulierun­gen. In vielen Farbschichten wird eine Vielfalt angelegt. Hier fügt sich die Serie der Pigmentbilder ein. In den Pigmentbildern wird die reine Farbe unverfälscht in vielen Arbeitsgängen aufgetragen. Ihre ursprüngliche Leuchtkraft kommt so am besten in ihrer ganzen Bril­lanz zum Tragen.“
(Angelika Jelich)

MEMORIES MALLORCA
„In den Memories Mallorca werden die selbst aufge­nommenen Fotos von Mallorca mittels Farbe und Pinsel durch Hinzufügen, Akzentuieren, Reduzieren oder Ver­decken einzelner Bildpartien so verändert, dass indivi­duelle Impressionen von Natur und Umwelt entstehen. Diese Erinnerungsfotos sind Impuls und Motor neue Farbwelten zu erschaffen und haben mit den herkömm­lichen Souvenirfotos nichts mehr zu tun.
Wo die Motive der wahrgenommenen Natur sich ihres Kontextes entledigen, reduzieren sich die Bilder auf die Darstellung zeichenhafter Naturphänomene. Sowohl überdimensionierte Blütendolden in signalfarbiger Naturkraft auf heller Leinwand (Seite 58) als auch wenig akzentuiert gesetzte Pinselstriche zeigen angedeutete Naturimpressionen (Seite 60).“
(Angelika Jelich)

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